Wir erleben zum ersten Mal, dass die physische Welt automatisierbar wird – nicht durch starre Industrieanlagen, sondern durch agile Serviceroboter, die sich sicher im Alltag bewegen können. Und doch beginnt jede Diskussion mit Kliniken, Kommunen oder Handelsunternehmen mit derselben Frage:
„Warum sollten wir uns jetzt schon mit Robotik beschäftigen?“
Die ehrliche Antwort: Nicht weil Roboter so weit sind – sondern weil alles um sie herum es nicht ist.
Der wahre Engpass liegt nicht bei Robotern, sondern bei fehlender Infrastruktur
Der demographische Wandel sorgt in vielen Branchen für Engpässe. Robotik könnte helfen, aber bevor sie einen echten Beitrag leistet, müssen grundlegende Fragen geklärt sein:
- Wie öffnen Roboter Türen oder fahren Aufzüge?
- Wie kommunizieren sie mit bestehender IT?
- Wie werden sie eingebettet in Prozesse, die heute auf Menschen ausgelegt sind?
- Wie läuft ein Workflow ohne händische Freigabe?
Kurz gesagt:
Roboter entlasten erst dann, wenn Gebäude und Prozesse robot-ready sind.
Doch genau diese Grundlage fehlt in fast allen Organisationen.
Wir brauchen eine Middleware für die physische Welt
In der Softwarewelt wissen wir: Ohne Betriebssysteme und APIs entsteht Chaos. In der physischen Welt ist der Zustand heute genauso:
- einzelne Roboter
- einzelne Apps
- einzelne Gateways
- einzelne Aufzugs- oder Türsysteme
- einzelne Insellösungen
Aber keine gemeinsame Ebene, die alles orchestriert.
Wenn physische Arbeitsabläufe automatisiert werden sollen, braucht es genau das:
Eine Interoperabilitätsschicht. Ein Betriebssystem für Gebäude, Robotik und IT. Eine gemeinsame Sprache für die physische Welt.
Warum dieser Schritt gerade jetzt entscheidend ist
Viele Einrichtungen befinden sich kurz vor ihrer ersten Investition in Servicerobotik. Doch genau hier entsteht das Risiko:
Wer jetzt ohne herstellerunabhängige Architektur startet, schafft den Lock-in von morgen.
Denn sobald Roboter herstellerspezifisch an Türen, Aufzüge oder interne Prozesse angebaut werden, entstehen Abhängigkeiten, die schwer wieder aufzulösen sind.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen:
- mehr Zugangskontrolle
- höhere Sicherheitsstandards
- sehr heterogene Tür- und Aufzugssysteme
- unterschiedliche IT-Landschaften
Ohne gemeinsame Ebene wachsen Komplexität und Kosten – lange bevor messbare Entlastung entsteht.
Robotik skaliert nicht durch bessere Roboter – sondern durch kompatible Infrastruktur
Das klingt kontraintuitiv, ist aber entscheidend:
- Nicht der schnellste Roboter bringt die größte Entlastung,
- sondern der Prozess, der ohne menschliches Zutun durchläuft.
Beispiel aus der Praxis: Ein Transportprozess entlastet erst dann, wenn der Roboter
- Türen öffnen kann,
- Aufzüge selbstständig nutzt,
- Zielbereiche automatisch informiert,
- keine manuelle Freigabe benötigt.
Roboter ersetzen keine Menschen – sie ersetzen Wege. Und Wege sind nur automatisierbar, wenn alle Komponenten miteinander sprechen.
Warum wir Athegus gegründet haben
Athegus ist ein Spinoff der Technischen Hochschule Deggendorf. In unseren Forschungsprojekten haben wir jahrelang dasselbe Muster gesehen:
- Roboter funktionieren.
- Gebäude funktionieren.
- Aber die Verbindung fehlt.
Aus genau dieser Lücke heraus ist Axiona entstanden – eine Plattform, die Roboter, Türen, Aufzüge und IT in gemeinsame Workflows integriert.
Darauf bauen wir branchenspezifische Produkte:
- hospOS für Kliniken
- retailOS für den Handel
- hotelOS für die Hotellerie
- fabOS für industrielle Kleinsttransporte
Der Kern bleibt immer gleich:
Interoperabel. Sicher. Modular. Europäisch.
Was das für Organisationen bedeutet, die „noch keine Roboter haben“
Genau diese Einrichtungen profitieren am meisten von einer frühen Architekturplanung:
- Welche Prozesse eignen sich zur Automatisierung?
- Welche Gebäudetechnik muss angebunden werden?
- Wie bleibt man unabhängig von Herstellern?
- Wie wird Datenschutz erfüllt?
- Wie reduziert man späteren Betriebsaufwand?
Wer diese Fragen jetzt klärt, vermeidet spätere Lock-ins – und legt die Basis für echte Entlastung.
Fazit: Die Automatisierung der physischen Welt beginnt nicht mit Robotern, sondern mit Architektur
Unser „Hello World“ ist kein Roboter, der einen Gang entlangfährt.
Unser „Hello World“ ist eine Infrastruktur, die physische Arbeit entlastet – in Krankenhäusern, im Handel, in Hotels, in der Industrie.
Die Zukunft gehört nicht den Geräten. Sie gehört den Prozessen, die wir durch sie automatisieren können.
Über den Autor: Sebastian Schmidt ist CEO und Mitgründer der Athegus GmbH. Als Spinoff der TH Deggendorf entwickelt Athegus Axiona – ein modular aufgebautes Robot-Management-System, das Roboter, Gebäudetechnik und IT in sicheren, interoperablen Workflows verbindet.